Fundstück der Woche: Der befahrbare Leuchtturm

Februar 5, 2013  |  Industriekultur

Ganz im Gegensatz zur weltpolitischen Lage war die Automobilwelt in den 1930er Jahren noch in Ordnung: Das Auto galt als fortschrittlich und Stahlbeton war genau wie die französische Sprache en vogue. Der französische Ingenieur und Erfinder des Spannbetons Eugène Freyssinet nahm die Weltausstellung 1937 zum Anlass und entwarf dafür den „Phare du Monde“ (dt. „Leuchtturm der Welt“). Die Kosten dafür sollten weniger als 2,5 Millionen US-Dollar betragen – der Eiffelturm, zur Weltausstellung 1897 gebaut, war fast doppelt so teuer. Mehr als eine halbe Meile (exakt 2.300 Fuß, etwa 700 Meter) sollte der Turm aus Stahlbeton werden, mit einem Parkplatz für 500 Autos in 650 Metern Höhe, einem Restaurant für 2.200 Gäste direkt über der Garage und einem Leuchtfeuer, das selbst die Londoner Einwohner sehen sollten. Soweit gekommen ist es nie, was nicht nur am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs lag: Tatsächlich hätten auf dem Weg nach oben wohl die Motoren und auf dem Rückweg die Bremsen versagt. 73 Jahre hat es gedauert, bis wirklich ein Gebäude die magische Grenze von über einer halben Meile Höhe durchbrochen hat. Es war ein anderer Betonklotz, das Burj Khalifa im Jahr 2010.

Mehr zum „Pleasure-Tower Half Mile High“ auf dem tollen Weblog von Modern Mechanix.

Constantin Hack

Ich berichte hier über Young- und Oldtimer, historischen Motorsport und Rostlauben, die mir alltäglich begegnen. Seit über 20 Jahren bin ich angefixt von allem, das Benzin verbrennt, Lärm macht und am besten noch vier Räder hat. In den vergangenen Jahren habe ich in einer PR-Agentur vor allem Kunden aus den Bereichen IT- und Telekommunikation betreut. Diesen Blog betreibe ich als Ausgleich, wenn ich nicht gerade unter meinem W123 liege.


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